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Vorstellungskosten
Vorstellungskosten

Aufwendungen, die einem Bewerber durch ein Vorstellungsgespräch entstehen.

Fordert ein Arbeitgeber einen Bewerber zur Vorstellung auf, so hat der Bewerber Anspruch auf Ersatz der Vorstellungskosten.

Dabei kommt nicht darauf an, ob das Arbeitsverhältnis tatsächlich zu Stande kommt.

Der Anspruch ergibt sich aus § 670 des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB).

Nach dieser Vorschrift ist der Arbeitgeber verpflichtet, dem Arbeitnehmer Aufwendungen, die er zur Durchführung des Auftrages des Arbeitgebers, nämlich der Anreise zum Vorstellungsgespräch hatte, zu ersetzen.

Voraussetzung ist jedoch, dass der Arbeitgeber den Bewerber zur Vorstellung aufgefordert hat.

Eine Stellenanzeige ist keine Aufforderung zu einem Vorstellungsgespräch.

Der Arbeitgeber muss diejenigen Aufwendungen ersetzen, die der Bewerber für erforderlich halten durfte.

Dazu zählen:

Fahrtkosten:
Bei Anreise mit dem Zug kann der Bewerber die steuerliche Kilometerpauschale verlangen, wenn nicht der Arbeitgeber zuvor darauf hingewiesen hat, dass er nur die tatsächlichen Kosten übernimmt.
Anreisen mit dem Flugzeug müssen nur bei besonderen leitenden Funktionen übernommen werden, da sie meist nicht erforderlich sind.
Taxikosten sind nur zu ersetzen, wenn der Vorstellungsort ohne Taxi lediglich mit einem unverhältnismäßig hohen Zeit- oder Kostenaufwand zu erreichen ist.
Im Zweifel sollte der Bewerber vorher abklären, ob der Arbeitgeber die Kosten übernimmt.

Übernachtungskosten:
Sie sind zu erstatten, wenn dem Bewerber eine taggleiche An- und Abreise wegen der Entfernung zu seinem Wohnsitz dem Zeitpunkt des Vorstellungsgesprächs nicht zuzumuten ist.

Verpflegungskosten:
Die Verpflegung ist entweder auch nach einer steuerlichen Pauschale oder nach den tatsächlich angefallenen Kosten zu ersetzen.

Verdienstausfall:
Die Kosten sind erstattungsfähig, wenn beispielsweise der Bewerber unbezahlten Urlaub nehmen musste.
Der Anspruch auf Erstattung der Vorstellungskosten verjährt in drei Jahren (§ 195 BGB).

Keine Verpflichtung zum Ersatz der Vorstellungskosten besteht, wenn der Arbeitgeber die Erstattung zuvor (nicht erst beim Gespräch) ausdrücklich ausgeschlossen hat. Hiervon machen immer mehr Arbeitgeber, vor allem Behörden Gebrauch.

Praxistipp:
Schließt der Arbeitgeber die Übernahme der Fahrtkosten aus, so kann sich der Bewerber, falls arbeitslos, an das Arbeitsamt mit der Bitte um Kostenerstattung wenden.


siehe hierzu auch:

Lexikon:

Arbeitsrecht
Auftrag
Schuldrecht
Vorstellungsgespräch

Ratgeber:

Rechtliche Fragen der Stellenbesetzung Teil 1
Rechtliche Fragen der Stellenbesetzung Teil 2

Norm:

§ 670 BGB


 
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